Wandern in Nordzypern, 16. – 27. März 2019

Wandern in Nordzypern, 16. – 27. März 2019

Teil 1, 16. 3. – 20.3.

Wieder eine Wanderreise mit Béa, seit meinem Beitritt 2017 zu den Naturfreunden Züri bereits meine Vierte. Und es wird nicht die Letzte sein!
Nach unserer Ankunft am Flughafen in Larnaca, (im griechisch zypriotischen Teil), wurden wir von Franz, unserem örtlichen Reiseleiter, abgeholt. Die Begrüssung von Béa und Franz war herzlich.
Im Laufe unserer Wanderreise lernten wir Franz auch als ausgesprochen charmanten und kompetenten Reiseleiter kennen.
Sein grosses Wissen über die Geschichte und Kultur von Zypern vermittelte er uns in dieser Zeit mit viel Engagement und Erzählfreude. Es war eine grosse Bereicherung, mit Franz diese 12 Tage unterwegs zu sein!
So viel Lob! gleich zu Beginn. Es ist wohl verdient!

Nun aber zu unserem Programm:

Von Larnaca fuhren wir in Minibussen über die Grenze (inkl. Passkontrolle) in den nördlichen, türkischen Teil der Insel. In Girne verbrachten wir die erste 5 Nächte.

Bei einer Stadtführung besichtigten wir die Burg von Girne mit dem eindrücklichen Schiffswrackmuseum, das die Reste eines 2400jährige Schiffes zeigt, das in den 60iger Jahren entdeckt und gehoben wurde. Auch interessant der Paternosterbaum, aus dessen Samen (früher) Rosenkränze gewonnen wurden.

Am Nachmittag besuchten wir Bellapais mit seinem Kloster und dem Baum des Müssiggangs, der von Lawrence Durrell in seinem Buch Bittere Limonen erwähnt wird. Hier war der Ausgangspunkt für unsere erste Wanderung.

Unser Wandergebiet war der Besparmak, das 5Fingergebirge, das sich in Nordzypern als Gebirgskette von West nach Ost  erstreckt. Wir erwanderten Teilstrecken des 260km langen Besparmaktrails.

2 von 3 noch erhaltenen Burgen bestiegen wir: die Burg Buffavento – ihr Name sagts! und die  Burg Hilarion. Beide stammen aus der Zeit der Kreuzritter. Zuoberst auf den Felsen angelegt dienten sie früher zur Überwachung und heute als prachtvolle Ausblicke über die Berge, die Ebene und das Meer.

An die verschiedenen Ausgangsorte unserer Wanderungen wurden wir jeweils von unserem Busfahrer Mohammed gefahren. Er begleitete uns kundig die ganze Woche, meisterte schmale, steile, holperige Wege und fuhr auch immer wieder Lädierte oder weniger Fitte zu gemeinsamen Picknick- oder Aussichtsplätzen – welch tolles Angebot!

Als weiteres Highlight besichtigten wir die Kirche von  Antifontis mit ganz eindrücklichen Fresken.

Eines zeigt, wie Jesus gebadet wird. Franz erklärte, dass dies, -Jesus als menschlich-bedürftiges Wesen-, eines der Themen des Nicäa Konzils  im 4. Jh. war,  was zur Trennung von Ost- und Westkirche führte.

Und die Natur grünte und blühte! Riesenfenchel, gelbe Akazien, Ginster, Aphodill, Zistrosen, Anemonen, Steinsamen, Strohblumen, Orchis italica, Bienenragwurz und andere mehr erfreuten in ihrer Pracht PflanzenliebhaberInnen und FotografInnen.

Der farbige Obst- und Gemüsemarkt in Girne stand noch auf dem Programm und dann gings weiter nach Nikosia..  

Susanne

Teil 2, 21. 3. – 23. 3.

Tag 6 – Besichtigung von Nikosia und Weiterfahrt nach Kormacit

Im zweiten Teil unserer spannenden Wanderferien lernen wir nicht nur die landschaftliche, sondern auch die kulturelle Vielfalt Nordzyperns näher kennen. Unter der kundigen Führung durch die sympathische Nelin besichtigen wir Nikosia, die letzte geteilte Hauptstadt Europas. Die eher praktisch veranlagten Zyprioten haben aber längst einen Modus Vivendi zwischen dem griechischen und dem türkischen Teil der Insel gefunden, und die grüne Grenze ist recht durchlässig geworden. Die wechselvolle Geschichte der Stadt lässt sich gut anhand einiger Bauwerke erfahren, etwa am gotischen Juwel, der ehemaligen Sophienkathedrale, die seit dem 16. Jahrhundert als Moschee dient. Die beiden Türme wurden zu diesem Zweck zu Minaretten umgebaut. Oder die grosse Karawanserei, die daran erinnert, dass hier einst Kamelkarawanen auf ihrem Weg vom Norden in den Süden oder umgekehrt, Rast hielten. Auf der Weiterfahrt besichtigen wir die Grabkirche des heiligen Mamas, eines legendären Märtyrers, der auf Zypern besonders verehrt wird und als Schutzpatron der Steuerberater (und –hinterzieher!) gilt.

Am späten Nachmittag erreichen wir den Wilden Westen Nordzyperns, wo uns frühmorgens kein Muezzin wecken wird, denn hier läuten (verbotenerweise) die Kirchenglocken der Maroniten, einer christlichen Minderheit, die uns sonst eher aus dem Libanon bekannt sind. Herr Antonis leitet die maronitische Gemeinde, war einige Zeit auch Abgeordneter im Parlament (aber nur als Zuhörer!) und entwickelt hier einen sanften Tourismus. Untergebracht werden wir von ihm in umgebauten Wohnhäusern und verpflegt mal im Gemeindezentrum, mal bei den Bäckerinnen, die jeden Freitag Brot für die Gemeinde backen.

Tag 7 – Maronitendorf Kormacit und Wanderung ans Meer

Wilde, tief dunkelrot blühende Tulpen, Orchis Italica und viele andere Blumenarten erfreuen Aug und Seele auf unserer kleinen Morgenwanderung, die auch einen Besuch im Ortsmuseum und in der mittelalterlichen St. Georg Kapelle einschliesst. Danach wandern wir durch sanftes Gelände nach Westen bis ans Meer, das zu einem Fussbad (oder mehr) einlädt und wo wir – nachdem die Sonne tiefrot im Meer versunken ist – im Restaurant Caretta Caretta mit frischem Fisch verwöhnt werden. Unterwegs halten wir Mittagsrast bei einem Bauernhof, der ebenfalls von Antonis betrieben wird. Frisch gepresster Orangensaft und gegrillte Wurst erwarten uns, herrlich! Unsere Zypernreise ist auch kulinarisch sehr vielfältig. Ich glaube, wir haben nie zweimal das gleiche gegessen! Nach dem Abendessen überrascht uns unser Chauffeur Mohammed zusammen mit zwei Freunden, mit Musik und Gesang. Und natürlich schwingen wir alle das Tanzbein dazu.

Tag 8 – Beşparmak Trail – Etappe 1

Die heutige Wanderung ist wieder etwas anstrengender, sind doch ein paar Höhenmeter zu überwinden. Wir starten ganz im Westen beim Kap Kormakitis, wo der insgesamt 260 km lange Beşparmak Trail beginnt. Es geht stetig aufwärts, doch jeder Schweisstropfen wird durch spektakuläre Ausblicke auf die felsige Küste und das tiefblaue Meer belohnt. Zum Abschied von Kormacit erwartet uns wieder ein herrliches Nachtessen. Schon von den Vorspeisen und dem herrlich knackigen Salat könnte man sich satt essen!

Rita

Teil 3, 24. 3. – 27. 3.

Tag 9 – Fahrt nach Karpaz

An diesem Tag brechen wir auf in Richtung Osten zu unserer letzten Etappe, der Halbinsel Karpaz. Sie charakterisiert sich durch einen schmalen Landstreifen, umgeben von Meer.
Auf dem Weg machen wir einen ersten Halt im Dorf Tatlisu. Dieses Dorf war vor der Trennung der Insel hauptsächlich griechisch. Nach der Militärinvasion der Türkei 1974 verliessen die griechischen Zyprioten ihre Häuser oder wurden vertrieben und siedelten sich im Süden an. Als Folge des türkischen Ansiedlungsprogramms nach der Besetzung stammen die heutigen Bewohner von Tatlisu mehrheitlich aus Anatolien (Osten der Türkei).
In Tatlisu besuchen wir eine Frauenkooperative, die von einer zupackenden Frau aus Nikosia geleitet wird. Ziel ist, den Frauen mehr Eigenständigkeit zu ermöglichen durch den Verkauf von handwerklichen Produkten. Zum Mittagessen geniessen wir die von ihnen frisch hergestellten Gözleme.
Nach einer Wanderung fahren wir zu unserer neuen und letzten Unterkunft, der Elausa Monastery. Auf einer Anhöhe gelegen präsentiert sich am folgenden Morgen diese schöne Anlage idyllisch, und wir geniessen nicht nur die Umgebung, sondern auch die reichliche und gute Küche, die uns serviert wird.

Tag 10 – Agias Trias

Dieser Tag ist ein eher strenges, aber starkes Wandererlebnis: gute 15 km, viel Wind. Über Mittag besichtigen wir Überreste der römischen Anlage Agia Trias (3. Jh.a.Ch.), wo wir Mosaike in der Basilika bestaunen können.
Am Nachmittag wandern wir über felsiges Gelände, die Ausläufer des Fünffinger Gebirges, immer auf der Suche eines roten Steins, der angeblich mystische Kräfte besitzen soll. Er hat sich allerdings vor uns versteckt, und wir sehen ihn erst von der Ebene aus. Abends erwartet uns wieder ein herrliches Essen mit den Köstlichkeiten der zypriotischen Küche.

Tag 11 – Karpaz (Teil des Besparmaktrails)

Heute fahren wir ganz ans Ende der Halbinsel, bis zum Kap Andreas. Auf dieser Fahrt besuchen wir zuerst das Städtchen Dipkarpaz. Hier leben neben der türkischen Bevölkerung auch eine griechische Minderheit. Was beeindruckt ist der Umstand, dass die griechischen Zyprioten nach der türkischen Besetzung hier blieben und heute in den Genuss von Privilegien der EU kommen. Wir besuchen die Moschee und sehen auch die christlich orthodoxe Kirche sowie eine Schule.
Weiter geht’s zum Kap. Unterwegs kommen uns bald die Wildesel entgegenm, die auf einen genüsslichen Imbiss der Touristen warten (man konnte schon in Dipkarpaz Säcklein kaufen mit Rüben für die Esel).  Wir bestaunen die Pilgerkirche Apostolos Andreas mit ihrer heiligen Quelle, die sowohl von Muslimen wie auch von Christen besucht wird. Die ganze Karpazgegend war einst reich und für ihren Handel von Bedeutung.
Am Abend verwöhnt uns das Kochteam mit Lamm aus dem Ofen.

Tag 12 – Schluss der Reise

Auf der Fahrt zum Flughafen Larnaka besuchen wir zuerst die alte byzantinische Stadt Salamis, die im Laufe der Geschichte unter verschiedenen Herrschern stand. Wir bewundern die zum Teil gut erhaltenen Anlagen (Theater, Säulensaal, Latrinen). Der Zypriot Barnabas wird als Missionsapostel in einer Klosteranlage verehrt.   
Zum Schluss der Reise einen Blick auf die Stadt Famagusta, die von einer venezianischen Stadtmauer umgeben ist. Auf deren Höhe haben wir einen sehr schönen Ausblick auf die am Meer gelegene Stadt, die vor der militärischen Besetzung durch die Türkei reich war. Wir sehen auf das Viertel Varosha, in den 60er Jahren ein  beliebter Ferienort von zahlreichen Filmstars, heute nur noch eine Geisterstadt. Lebendiger zeigt sich Famagusta in der hübschen Altstadt, wo wir zuerst den Muezzin der Mustapha Pasha Moschee hören, bald darauf die Konfiserie Petek Pastanesi heimsuchen, um die letzten Einkäufe zu tätigen. Mit einem schmackhaften Döner bei Freunden von unserem Chauffeur Mohamed müssen wir den kurzen Besuch von Famagusta beenden. Das Wetter schlägt um, es beginnt zu regnen, als wir die Kleinbusse in Richtung Flughafen besteigen.  

Marisa

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